Startseite AKTUELL: HICCUP ÜBRIGENS NEUE OLYMPISCHE DISZIPLINEN DSCHORDSCH DABBELJUH PRO VOKATION GRUSELSKI & CO. MANIPULINSKIS CORCAPOLISMUS KATZEN WELLNESS LINA VERFRATZUNGEN Lexikon RAUCHBILDER HALBOFFENE BRIEFE Paar Bilder Spule intim LINKS

ÜBRIGENS:
Hier sind ein paar kleine Texte (bitte scrollen) zum Lachen oder auch zum Heulen. Ich bin zwar stolz, wenn ich einen von ihnen zufällig im Internet wiederfinde. Aber es wäre anständig, wenn Ihr meine Spulen-Seite als Quelle angeben würdet.


Allgemein:
PRO PO
Kontakt


ÜBRIGENS

T A N G O 

Geträumt hatte er, dass sich eine gläserne Autobahn von Mümliswil bis Casablanca bauen liesse - ab Marseille natürlich unter dem Mittelmeer durch - und dass man Zahnweh, Herzinfarkt, Multiple Sklerose und sogar Fusspilz mit einem Druck auf die Escape-Taste aus der Welt schaffen könne.

Als er aus diesem Traum erwachte, griff er nach dem Zigarettenpäckchen und das war leer.

Gewöhnlich zieht er sich morgens ein frisches Hemd an, kocht Kaffee, trinkt manchmal auch einen Whisky zum oder besser als Frühstück, weil ihm mal ein Inder (ja, es war wirklich ein Inder, auch wenn er in Manchester wohnte) erklärt hatte, das schütze ganz besonders Raucher vor Infarkt und Missmut.

Heute aber nicht.

Begleitet vom Dröhnen der Kirchenglocken - es war Sonntag - fuhr er zum Bahnhof, wo der Kiosk meist offen ist. Etwas schief parkierte er sein Auto, steckte aber korrekt einen Franken in die zentrale Parkuhr.

In der unterirdischen Passage, die er auf dem Weg vom Parkplatz zum Bahnhofskiosk zu durchqueren hatte, sass mit gekreuzten Beinen ein Handharmonika-Spieler, vor sich eine Kappe, in der ein paar Münzen lagen.

Dieser Musikant spielte immer wieder den selben Tango, falsch aber mit einer teuflischen Wut, als müsse er sich, die ganze unterirdische Passage und auch den Geist von Astor Piazzolla in einer Flut von rhythmisch hinkenden Dissonanzen ertränken.

Weil er ja am Kiosk das Zigarettenpäckchen bezahlen wollte, hatte er das Portemonnaie griffbereit. Zwei Franken kramte er heraus und legte sie in die Kappe, weniger aus einer Regung von Wohltätigkeit, als in der Hoffnung, der Handharmonika-Spieler möge seinen Tango wenigstens für ein paar Sekunden unterbrechen, vielleicht um "danke" zu sagen.

Doch nun wurde die Musik immer noch lauter, die Töne brachen sich an den mit Graffitti verschmierten Wänden und verknoteten sich zu einem betäubenden Wirbel, gerade an der Stelle, an der er stand, als er das Portemonnaie wieder in die Tasche stecken wollte. Im Tango-Takt drehten sich die gekachelten Wände, drehte sich die Reklametafel mit einem Mädchen in Unterwäsche, drehte sich auch der Akkordeonspieler, bis dass man nur noch seine Schuhe sah.

Am Sonntagmorgen ist ein Besoffener in dieser Passage nicht ungewöhnlich. Deshalb gingen viele Leute an ihm vorbei, während er den Infarkt erlitt. Erst eine alte Frau mit einem sabbernden Köter rief den Notarzt.

Während der Köter noch an seiner Hose schnupperte, war ihm als liesse er sich wie ein Bunjee-Jumper von einer Brücke fallen aber ohne Gummiseil. Und dann - während der lebensrettenden Sofortmassnahmen - sah er wieder die gläserne Autobahn von Mümliswil nach Casablanca.

Noch ehe er auf der steinigen Wiese tief unter der Brücke aufschlagen würde, gelang es ihm, die Escape-Taste zu drücken. Schmerzlos riss der Film.

Der Notarzt zuckte resigniert die Schultern, fast wie in einem "Tatort"-Krimi. Der Tango-Spieler aber, blind und taub, wie er wohl war, spielte unbeirrt weiter.



Nach oben

H U M A N I S T I S C H E   E R Z I E H U N G 

Daran erinnere ich mich noch gut: Wir durften (oder besser: wir mussten) im Kindergarten auf weisses Papier Herzen zeichnen, dick und rot. Ganz unten auf dem Bild schrieb jeder seinen Namen hin, und die Kindergärtnerin hängte dann unsere zweiundzwanzig kindlichen Herzen mit Reissnägeln an ein hölzernes Brett rechts neben der Türe.

Wenn jetzt einer von uns etwas getan hatte, was die Kindergärtnerin für unziemlich hielt, dann musste er mit dem Zeigefinger an einer Bleistiftspitze reiben und den dadurch geschwärzten Finger mit einer drehenden Bewegung derart auf sein Herzbild drücken, dass dort ein kleiner grauer Abdruck entstand.

Ich habe damals Wasser aus dem Brunnen in den Pausenhof gespuckt, ich habe mal gefragt, ob Christus denn kein Jude gewesen sei, und meinen besten Freund, den Kurtli Weber, den habe ich in den Po gekniffen. Obendrein war ich stets ungekämmt, unkämmbar sogar.

So füllte sich nach und nach mein Bild mit dem roten Herzen auf dem weissen Grund derart mit grauen Flecken, dass ich das hölzerne Brett mit den zweiundzwanzig Herzen gar nicht mehr anschauen mochte. Keiner von uns musste sein Herz mit so vielen Flecken verunstalten wie ich. Nichteinmal der Kurtli Weber, der immerhin hemmungslos rülpste und furzte und der heute, glaube ich, mehrere Verwaltungsratsmandate ausübt.

Das also war der Beginn dieser humanistischen Erziehung, die ich, wie man so sagt, genossen habe. Ich wünsche mir, ich könnte sie vergessen.









Nach oben

A M E I S E N 

Sie waren wieder auf dem Küchentisch. Zehn oder zwanzig an einem Rest Katzenfutter, ebenso viele an einem Schnipsel Wursthaut und noch ein paar in einer Orangenschale.

Gewöhnlich zerquetsche ich sie mit dem rechten Zeigefinger. Diesmal aber nahm ich ein leeres Zigarettenpäckchen und presste es mit drückenden und drehenden Bewegungen so schnell auf die Ameisen, dass nur ganz wenigen von ihnen die Flucht in eine Mauerritze gelang.

Am nächsten Morgen hatten sie nicht nur die Leichen beseitigt, sondern in einer alten Schüssel, in die ich nach dem Abendessen die kompostierbaren Küchenabfälle lege, eine neue Nahrungsquelle entdeckt. Und was für eine! Der Inhalt dieser Schüssel war ganz mit einem schwarzen Teppich von hunderten, nein, von tausenden dieser krabbelnden Sechsbeiner überzogen, und zu den Mauerritzen führten Schnellstrassen.

Wie schaffen die das eigentlich? Schickt die Königin immer wieder ein paar Pioniere aus, und die melden dann: "Tote Fliege auf dem Kühlschrank - brauche zehn Leute" Oder: "Katzenfutter nicht aufgegessen - reicht für 544 Mann"?

Die Schüssel mit den ameisenüberzogenen Küchenabfällen stellte ich ins Spülbecken und drehte den Wasserhahn voll auf. Dann schöpfte ich die Abfälle (Crevettenschalen waren darunter) mit einer Kelle heraus, bis im Spültrog nur noch die ertrinkenden Ameisen schwammen, die nun, wohl um sich gegen einen fürchterlichen Tsunami zu wehren, an der Oberfläche kirschkerngrosse Knäule bildeten.

Und jetzt raus mit dem Stöpsel!
Es entstand ein Strudel, der sie alle mitriss in die Unterwelt der Kanalisation. Sie werden ihre Königin nie wieder sehen.

Bin ich für die Ameise Gott oder Teufel?
Sollte ich wohl noch Insektizid sprühen?

Aber als ich gestern früh ins Badezimmer ging, war da in der Badewanne eine einzige Ameise, die wie Sisyphos immer und immer wieder an der spiegelglatten Seitenwand der Wanne hochkletterte und dann aus halber Höhe in die Tiefe stürzte. Der hielt ich meinen mörderischen rechten Zeigefinger hin. Sie krabbelte drauf, und ich setzte sie vorsichtig in die Sonne vors Fensterbrett.

Falls ich beim Jüngsten Gericht einen Anwalt kriege, soll er sich das schon mal merken.



Nach oben

T O N A U S F A L L 

Erst fiel der Strom aus. Der Kühlschrank schnurrte nicht mehr, Radio, Fernsehen und Computer waren weg, Strassenbahnen und Eisenbahnen standen still.

Mehr noch: Kein Muezzin krähte, keine Kuh- oder Kirchenglocke bimmelte, man konnte Donner, Wind und Brandung nicht mehr hören. Auch nicht die Hilferufe von all denen, die zusammen mit dem Dalai Lama im Lift stecken geblieben waren.

Aus Autobahnen und Landepisten wuchsen lautlos Brennnesseln und Bäume, Politiker und Vögel hielten endlich Schnauzen und Schnäbel. Und - glaubt es oder glaubt es nicht - in der Schweiz mit ihren zig- tausend Schiessständen wurde selbst am Samstagnachmittag nicht mehr geschossen.

Beim geräuschlosen Final der Fussball-Weltmeisterschaft versuchte eine taubstumme Übersetzerin noch "Tooor!" und "Offside!" zu signalisieren, doch auch ihre Gebärdensprache verstummte, wahrscheinlich, weil sie "Offside!" nur auf Rhätorumantsch übersetzt hatte.


Probehalber schleuderte ich noch eine Kristallvase (Hochzeitsgeschenk) auf den Küchenboden, erschoss mit dem Sturmgewehr zwei Stubenfliegen, einen Bundesrat und drei unschuldige Pitbulls. Nichts davon war zu hören.

WAS FÜR EINE STILLE!

Jetzt aber höre ich deutlich, wie in der Ferne auf einem Hinterhof die Kletterstange verrostet, auf der ich mal glücklich war.

WAS FÜR EIN KRACH!













Nach oben

I N   M E M O R I A M 

Glaubt nicht, dass ich jetzt besonders Lust dazu hätte, ermordet zu werden oder aus sonstwelchen Gründen - wozu haben wir Viren, wozu haben wir Schweinegrippe, Feinstaub, Jodlerdoppelquartette, Knollenblätterpilze, Klimakatastrophen und Korpskommandanten...?
Mist. Jetzt hab ich mich verhaspelt.

Control, Alt, Delete!

Also glaubt nicht, dass ich jetzt besonders Lust dazu hätte, das zu machen, was man in Basel "D' Riebli vo unde-n-aaluege" nennt. Nein, solange noch Schnaps in der Flasche ist, bleibt meine Lebensfreude ungebrochen.

Aber es könnte doch sein. Media in vita...
Na ja, wenn du dir zum Beispiel anhörst, was Leute wie Vladimir Putin oder Sarah Palin von sich geben, dann trifft dich leicht der Schlag.
Gut, du drückst im Todeskampf vielleicht noch auf die Fernbedienung. Dann sind zwar Putin und Palin weg, aber du riskierst - und das ist dann wirklich das Letzte - bei der Neujahrs- oder Augustrede irgendeines SVP-Politikers zu landen.

Kannst übrigens auch an einer Fischgräte ersticken.

Was ich sagen wollte: Posthum hätte ich eigentlich ganz gern noch bisschen was zum Lachen. Man geistert ja nach dem Tod - Christus hat es vorgemacht - anstsndshalber noch paar Tage lang durchs Haus und schaut so vom Kronleuchter aus als unheiliger Geist auf die Trauergemeinde.

Das stelle ich mir jetzt mal vor:

Eine grosse Todesanzeige müssen wir machen. Kostet zwar ein Schweinegeld, aber bei dem alten Gabathuler - ja, der aus der Eichenstrasse, 83 ist er geworden - haben sie es auch ganz gross gemacht. Dem hat sogar der Pontonierfahrverein - wie sagt man... Ist ja auch egal, der Gabathuler hat jedenfalls bis zu seinem Tod seine Frau und die Enkelkinder verprügelt.

Also, was schreiben wir jetzt?

Wurde von seinen Altersbeschwerden erlöst. - Stimmt doch gar nicht, über Fusspilz hat er schon als Jüngling gejammert. Also dann: Hinterlässt eine schmerzhafte Lücke... Ach was, ausser vielleicht im Weinkeller. Wisst ihr was: Ist zu seinem Schöpfer heimgekehrt! Nein, das kannst du nicht sagen, so wie der sich immer über idie Kirchenglocken geärgert hat. Übrigens: Was iist eigentlich aus der Briefmarkensammlung geworden? Die Pro Juventute hätte ich dann gern. Und die Kommode oben - massiv Nussbaum, oder?

Ruhe jetzt! Das macht man hier so:
Gott, dem Herren - oder schreibt man Gott dem Herr? - ist ja wurst, kannst bei der Zeitung fragen, die wissen das. Hat es also gefallen... Nein! Ohne das also, das habe ich nur so gesagt. Nochmal von vorne: Gott dem Herrn hat es gefallen, unseren geliebten... Naja.

Lina! Was ist denn los, kannst du nicht mal einen Moment lang ruhig sein?
Ich wollte doch nur sagen, dass der Opa immer gesagt hat, Mohammed sei ebensogut wie Christus.

Da habt ihrs! Soweit ist es gekommen! Dieser Islamismus, immer dieser Islamismus! Und das schon bei den Kindern. Ich sag ja immer: Der Blocher geht nicht weit genug. Geh jetzt raus, Lina und halt den Mund. Kannst ja meinetwegen in Opas Zimmer am Computer spielen.

Mensch, erlaub ihr das bloss nicht, der hat sich da doch sicher massenhaft Porno runtergeladen.

Eigentlich ganz gut, dass ich gestorben bin, sonst hätte ich mich noch über meine Trauergemeinde totgelacht.

Dass ich im nächsten Leben ein Tintenfisch werde, ist übrigens beschlossene Sache. Aber wie erklärt man das wohl in einer zweispaltigen Todesanzeige?

Also bitte fresst von jetzt an keine Konserve mehr wo "Pulpo" draufsteht, somst mache ich Euch posthum noch Bauchweh.



Nach oben

N E I D I S C H 

Im Selbstbedienungs-Restaurant am künstlichen See trinkt man ein Bier, ein Mineralwasser oder einen lauwarmen Kaffee, schaut durch die grossen Fenster über den See hinweg auf einen künstlichen Hügel und dann auf die anderen Leute, die an den anderen Tischen ein Bier, ein Mineralwasser oder einen lauwarmen Kaffee trinken und zwischendurch durch die grossen Fenster auf den künstlichen Hügel hinausschauen.

Kuck, der da! Ja, der mit der Stirnglatze und dem Strickpullover. Der tut nur so, als ob er die Zeitung liest. Tatsächlich schaut er immer wieder auf das alte Ehepaar da drüben. Mag sein, dass er seine Frau verloren hat, mag sein, dass er nie die richtige Frau gefunden hat. Jetzt jedenfalls wünscht er sich, auch er hätte eine Partnerin, mit der er sich unterhalten könnte.
Ausser mit der Kioskverkäuferin ("Morgen wird es wohl regnen") hat er heute noch mit niemandem gesprochen.


Die Frau am anderen Tisch spricht unentwegt von den Preiserhöhungen beim Aldi, von "Wege zum Glück" und davon, dass ihr Ehemann - ja, der mit dem frischgebügelten Hemd - dass der eigentlich kein Bier mehr trinken sollte.

Der Mann mit dem frischgebügelten Hemd schaut auf den Mann mit dem Strickpullover. Der hat es gut, denkt er. Der ist unabhängig. Der bestimmt selbst, ob er sich jetzt noch ein Bier holt. So frei möchte ich mal sein! Und nicht immerzu dieses Gequatsche hören müssen!

Und während sich der mit dem Strickpullover und der mit dem frischgebügelten Hemd gegenseitig stumm beneiden, lassen Kinder auf dem künstlichen Hügel einen Drachen steigen.




Nach oben

M Ü C K E N T A N Z 

Im Gegenlicht sieht es wie eine kleine Rauchwolke vor der Thuyahecke aus. Aber wenn man genauer hinschaut, dann qualmt da nicht etwa ein Zigarettenstummel, sondern es haben sich hunderte (oder sind es gar tausende?) von Mücken versammelt. Wozu wohl?

Hallo, ihr kleinen Mücken! Was habt ihr doch für Höhepunkte in eurem kurzen Leben! Wirbeln, Quirlen, Pirouetten drehen... Betrinkt ihr euch am Sonnenlicht?

Mein verstorbener Biologielehrer hätte für euch wahrscheinlich einen lateinischen Namen gekannt, und mit Sicherheit hätte er gesagt, dass ihr tanzt, um euch zu paaren. Der hatte ja auch fünf Kinder.

Aber ihr paart euch nicht vor der Thuyahecke, ihr streift euch nichteinmal in eurer Wirbelwolke. Ihr seid - jetzt sehe ich es deutlich - bloss in einem unbezähmbaren Tanzfieber. Immer wieder steigen ein paar Dutzend von euch bis zum Gipfel des Schwarms auf und lassen sich dann wie Bungee-Jumper in die Tiefe fallen.

Ist wohl jeder oder jede von euch immer mal ganz oben und dann wieder ganz unten? Feiert ihr Karneval oder Weltuntergang?

Um nochmal auf den Biologielehrer zurückzukommen: Ich habe ein Gehirn, das ungefähr so aussieht wie ein Walnusskern, und ihr habt ein Ganglion-System, das eher wie eine
Strickleiter geformt ist. Im Zeitalter der grenzenlosen Kommunikation sollte sich da doch was machen lassen.

Ich Nussgehirn stelle jetzt also meine Kamera auf ein Stativ, um euch Strickleiterlinge in eurem rätselhaften Flugrausch zu filmen. Und dann - passt bloss auf - werde ich endlich euren Tanz entschlüsseln, und koste mich das auch eine neue Visitenkarte. (Der Ehrendoktor muss ja drauf!)

Aber kaum drücke ich auf den Auslöser, seid ihr alle weggeblasen. Tanzt ihr jetzt woanders? Tanzt ihr nie wieder? Oder paart ihr euch jetzt endlich in der Hecke? Kommt doch zurück! Ich gelobe hiermit auch, nie wieder ein Insektizid zu kaufen.

Ihr wollt einfach nicht. Na, dann machen wir es eben so: Im nächsten oder übernächsten Leben werd ich selber eine Mücke. Und dann mache ich mit bei eurem Flug. Ich bringe euch auch noch den Tango bei, den Walzer und die Polonaise. Versprochen!

Die Walnuss-Gehirne werden nur so staunen, wenn wir zusammen einen neuen Mückentanz kreieren.
Und während sie gierig auf den Ehrendoktor-Titel ihre Kameras aufstellen, fliegen wir alle in die Thuyahecke und paaren uns da!







Nach oben

N E U E R   N A C H B A R 

Als der Lippuner gestorben war, stand das Haus Nummer 36 ein paar Monate lang leer. Mitte Mai aber waren die Fensterläden wieder offen, und von meinem Balkon aus sah ich einen Mann, wie er mit einem Spindelrasenmäher den Vorgarten mähte.

Ich kümmere mich sonst kaum um die Leute in meiner Strasse, aber dieser neue Nachbar erregte sofort meine Neugier, nein besser: Meine Bewunderung. Er war ganz anders als wir.

Wir in unserer Strasse, wir haben ein Gesicht und manche von uns auch nur eine Fresse. Er aber hatte - ich kann es nicht anders nennen - ein Haupt und vornedrin ein Antlitz. So etwas zwischen Christus und Osama Bin Laden mit einem Schuss Bruder Klaus dazwischen. Und erst sein Blick! Er liess ihn wahrhaftig aus stahlblauen Augen in die Ferne schweifen, während wir hier seit Jahrzehnten nur kurzsichtig auf die Beutelchen mit der Hundescheisse glotzen.

Sprechen hörte ich ihn nie, aber auf dem Weg zur Tramstation bemerkte ich, dass er schreitend leise vor sich hin summte, so als hielte er mit einer gütigen Gottheit eine geheime Zwiesprache, einer Gottheit, die uns Eingesessenen längst abhanden gekommen ist.

Könnte es sein, dass nun ein Prophet oder gar ein Heiliger im Haus Nummer 36 lebt?
Allerdings gehen die ja früh ins Bett und stehen spätestens um sechs wieder auf um Glocken zu läuten oder Heil und Unheil zu verkünden. Mein neuer Nachbar aber ging spät ins Bett - noch um zwei Uhr nachts brannte im Wohnzimmer das Licht - und dass er spät aufstand, ergab sich schon daraus, dass er am Freitag seine Kehrichtsäcke immer erst dann vor die Türe stellte, wenn der Sammelwagen längst durchgefahren war.

Er musste also wohl ein Philosoph oder ein Forscher sein, wahrscheinlich sogar einer von denen, die den Nobelpreis mal vor lauter Bescheidenheit ausgeschlagen haben oder denen man diesen Preis weggeschnappt hat, indem man schnöde ihr Lebenswerk kopierte.

Es dauerte zwei Wochen, bis ich mir endlich ein Herz fasste. Ich machte ein Gesicht wie ein Politiker vor den Wahlen und sprach ihn vor seiner Haustüre respektvoll an: "Darf ich mich vorstellen - ich bin Ihr Nachbar von schräg gegenüber."

"Dann sind Sie also wohl das Arschloch, das seinen Mercedes immer auf meinen Parkplatz stellt", sagte er. Und dabei roch er stark nach Pflaumenschnaps.

Auf meinen ersten Eindruck kann ich mich nicht mehr verlassen. Und auf den zweiten wohl auch nicht.



Nach oben

D I L A R A M 

Das ist schon lange her, aber manchmal erinnere ich mich daran, so wie man sich an eine Szene aus einem alten Film erinnert.

Dilaram hiess der Ort.

Da war eine armselige Verkaufsbude, in der ausser staubigen Granatäpfeln und etwas Mehl nichts zu haben war. Ein paar von den Granatäpfeln kauften wir.

Die Strasse nach Kandahar war damals mit tiefen Schlaglöchern derart übersät, dass wir mit unserem überladenen kleinen Auto nur im ersten Gang fahren konnten. Gewöhnlich waren es Scharen von Kindern, die uns dann in diesen Dörfern eine zeitlang hinterher rannten. Diesmal aber war es ein älterer Mann, barfuss und mit einem bunten Tuch auf dem Kopf.

Wir hatten die letzten Lehmhütten hinter uns, als unser Verfolger endlich schwächer wurde und zurückfiel wie ein abgehängter Fahrer an der Tour de France.

Neugier, Mitleid, Siegesfreude? Jedenfalls hielt ich an.

Ausser Atem streckte der Mann mit dem bunten Tuch auf dem Kopf eine Faust durch das Fenster und redete auf uns ein. Aber ich verstand nicht einmal, ob er wohl Paschtu, Dari oder Hazara sprach. Da öffnete er die Faust, und in meine Hand purzelten ein paar Münzen, eine von ihnen mit einem Loch in der Mitte, als solle man sie sich um den Hals hängen.

Ich hatte also zu viel bezahlt für die Granatäpfel, und das hier war das Wechselgeld.

Ich hätte ihm doch die paar Münzen lassen sollen. Oder besser noch etwas drauflegen. Ein Pfund, ein Dollar oder auch ein Franken wären damals für ihn fast ein Tagesverdienst gewesen. Aber nein - ich habe die Münzen einfach in die Tasche gesteckt, thank you gesagt und bin weitergefahren.

Die Münze mit dem Loch in der Mitte habe ich heute noch. Und irgendwie scheint sie mir jetzt wertvoll.



Nach oben

A P P L A U S ,   A P P L A U S 

Kaum ist der letzte Ton einer Serenade verklungen, schlagen alle wie aufgezogene Spielzeugaffen die Hände zusammen, als hätten sie eine Invasion von Stechmücken zu bekämpfen.
Haben sich Mozart und Schubert wohl diesen Krach gewünscht?

Gar nicht zu reden von dem, was das Fernsehen mit meinen sauer verdienten Gebühren macht:
Wenn dieser goldgelockte Gotthold oder wie er heisst in seinem Faschingskostüm das betritt, was man mir als Szene unterjubeln will, dann erschallt erstmal minutenlang tosender Applaus. Wofür eigentlich?

Mit diesen reichen jungen Leuten, die immerzu auf den Rasen spucken und die sich für ein paar Millionen von Club zu Club verkaufen lassen - mit denen istr es fast noch schlimmer. Kaum trampelt einer von ihnen auf einen Ball oder auf einen anderen reichen jungen Mann - das kommt dann immer noch in Zeitlupe - brüllen mindestens zehntausend Leute unisono "TOOR!" oder "FOUL!"

Ich kann da nur noch die Arme verschränken, die Stirn runzeln und die Schnauze halten.



Nach oben

L E T Z T E R   H A N D S T A N D 

Denkst du manchmal auch daran, dass du etwas zum ersten Mal geschafft hast? Einen Kilometer unter dreissig Minuten geschwommen, in weniger als zweieinhalb Stunden von Basel ins Tessin gefahren, zum ersten Mal in Rom?

Und das letzte Mal?
Wann hast du eigentlich zum letzten Mal Handstand gemacht, an einem Bach gespielt, den Wolken nachgeschaut? Wann bist du eigentlich zum letzten Mal von diesem Glücksgefühl umarmt worden, das vielleicht von einem Wort, einem Geruch oder einer fast vergessenen Melodie herkommt?

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass ich den schönen kleinen Tümpel, in den ich heute auf meinem Spaziergang einen Stein geworfen habe - und was für Wellen! - zum letzten Mal gesehen habe.

Aber ich will das mal positiv sehen: Irgendwann hat man auch zum letzten Mal Zahnweh.


 


Nach oben

Z I K A D E N 

Mit meiner Stihl-Kettensäge bin ich recht zufrieden, aber wenn man Kettenöl nachfüllt, wozu man beide Hände braucht, schwappt es leicht über, es sei denn, man klemme sich eine kleine Batterielampe zwischen die Zähne und leuchte damit in das Loch für "Oil".

Gestern versagte diese Lampe und das Kettenöl schwappte über.
Unter der Werkbank habe ich für diesen Fall eine Holzkiste voller Lappen, mit denen ich das übergelaufene Kettenöl von der Säge und von der Werkbank abwische. Da sind Hemden mit Brandlöchern von Zigaretten, ausgediente Unterhosen, Socken-Einzelstücke mit Löchern, meist an der Ferse...

Der Lappen, den ich jetzt ergriff war aber - wie nennt man das eigentlich, dieses heisse Violett mit einem Schuss Abendrot? Kardinalsrot? Mauve? Purpur?
Kann das sein? Das ist doch ein Fetzen von dem Kleid, in dem ich sie zum ersten Mal gesehen habe. Jahrzehnte ist das her. Zikaden zirpten.

Als sie sich in diesem violetten Kleid mit gekreuzten Beinen und beleidigtem Gesicht neben mich setzte, nur weil kein anderer Platz mehr frei war, schien sie mir unnahbar. Die oder keine - na dann eben keine.

Irgendwelche Götter oder Teufel (oder hatte ich damals noch Charme?) haben mir aber geholfen. Sie war doch nicht so unnahbar. Ich war so verliebt und so glücklich, als sie sich dieses violette Kleid zum ersten Mal vor mir ausgezogen hat. Jahrzehnte her, Zikaden zirpten.

Jetzt steht sie in der Küche und ruft - längst nicht mehr in violett - "Bratwurst ist fertig, hör endlich mit der Kettensäge auf und bring den Senf mit!"

"Komme gleich, mir ist nur wieder das Kettenöl übergeschwappt!"

Vielleicht miete ich mir für diesen lila Fetzen einen Tresor. Und wenn es mir schlecht geht, dann nehme ich ihn zärtlich in die Hand und höre aus der Ferne wieder die Zikaden zirpen.



Nach oben

F U N K T I O N E L L E   D Y S P E P S I E 

Man sieht es mir vielleicht nicht gleich an, aber ich bin eigentlich ein sehr feiner Mensch. Meine Tante war mit einem Baron verheiratet und einer meiner Grossväter (der andere war Landwirt) hat am Zarenhof verkehrt, ehe er - Lenin sei's geklagt - für den Rest seines Lebens nach Sibirien verschickt wurde, wo er auf einem Plumpsklosett immerhin noch zwei Ratten erschossen haben soll.

Eingedenk solcher Bindungen zum Hochadel fühle ich mich jetzt als (wie gesagt) sehr feiner Mensch zu einem Geständnis - oder nennt man das jetzt "Outing"? - also jedenfalls zu einer ungeschminkten Erklärung eines meiner Laster verpflichtet, welches darin besteht, dass ich öffentlich RÜLPSE.

Lasst mich das bitte kurz präzisieren:

Es begann als ganz normales Aufstossen. So ein ungewolltes "ÄÄHH...", wie man es als Eidgenosse wahlweise zu "Ägerisee" oder besser noch zu "ÄÄXÜÜSI" verlängert, auf dass es sich halbwegs in das einfüge, was wir hier so unter Konversation verstehen.

Mit der Zeit wuchs diese Begabung.
Schon nach dem zweiten Bier war ich in der Lage, auf dem Velo ("Fahrrad" nennt ihr das in Deutschland) derart laute Gorpse auszustossen, dass verängstigte Fussgänger panisch in Brombeergestrüpp oder auf glitschige Uferböschungen flüchteten. So habe ich schon mindestens vier Vermisstmeldungen generiert.

Dann war da aber noch dieses Kreuzwort-Preisrätsel, ausgeschrieben von irgendeiner Klopapier- oder Haarsprayfabrik (ja, ja, auch der "Ern" kam darin vor), und ich feiner Mensch schickte das korrekte Lösungswort ("Blaehungen") ein. Damit gewann ich eine Eintrittskarte in ein Kammermusik- Konzert.

Krawatte hatte ich mir dazu umgebunden. Und den Haydn hielt ich auch noch ganz gut durch, indem ich meine Bäuerchen - Taschentuch vor dem Mund - mit vornehmen Räuspergeräuschen und diskreten Lauten seelischer Ergriffenheit ausschmückte.

Bei Mozart aber brach meine funktionelle Dyspepsie (so darf ich das doch nennen, wenn meine Tante einen Baron geheiratet hat) - brach also diese widerliche Rülpserei derart durch, dass sie die Stärke eines Löwengebrülls erreichte.

Diesen Quatsch schreibe ich hier eigentlich nur, um mich bei dem Streichquartett - die Konzertkritik auf der Feuilleton-Seite war vernichtend - in aller Form - ÄÄXGÜÜSI - zu entschuldigen.

(PS: Falls ich mal als Orpheus wiedergeboren werde, kauf ich für Eurydike Oropax.)







Nach oben

A U S T R I T T 


He, Mohammed, Messias, Allah, Gottvater, Jungfrau Maria, Murugan, Christus, Buddha, Manitou und wie ihr euch auch alle nennt - könnt ihr jetzt nicht endlich dafür sorgen, dass die Leute damit aufhören, sich in eurem Namen anzukotzen, einzusperren, zu steinigen und hinzurichten?

Als Götter, Propheten und Heilige dürft ihr doch nicht jede Sauerei immer nur euren Kollegen oder dem armen Luzifer anlasten. Wozu seid ihr denn allmächtig?

Spätestens seit Marx und Lenin pleite sind, bildet ihr euch wohl ein, ihr seid unkündbar, und zu allem was euer verfressenes Bodenpersonal von Rom bis Mekka in seine schmuddeligen Pfoten nimmt müsse ich nichts als AMEN sagen.

Na, da habt ihr euch aber verrechnet: Hiermit kündige ich meine Mitgliedschaft in jeder Religion und in jedem "Ismus" einschliesslich des Kommunismus. Ihr seid entlassen, und zwar fristlos. Könnt meinetwegen als Teppichhändler weitermachen.

Na gut, ihr Götter, ihr Verkündiger, ihr Ayatollahs und Päpste. Was ich hier schreibe, ist euch natürlich ebenso wurst wie das Leben der Menschen, denen ihr einredet, es gehöre sich, in eurem Namen Hallelujah oder Allahuakbar zu brüllen, Kriege zu führen und Martyrien zu erleiden. Aber pfuscht ihr da nicht ein bisschen?

Bevor ich jetzt noch das verletze, was sie hier "Glaubens- und Kultusfreiheit" nennen, gehe ich wohl besser ins Bett. Aber verlasst euch darauf, dass ich vor dem Einschlafen zu keinem von euch beten werde.


 


Nach oben

T A R A N T E L 

Ich wollte im Zelt gerade den Reissverschluss schliessen, als ich im Licht der Taschenlampe die Spinne sah. Sie sas auf dem Fussende des Schlafsacks, in dem die Eli schlief.

Die Spinne war schwarz und ungefähr so gross wie der Untersatz einer Kaffeetasse.
Haarige Witwe? Tarantel? Ihr Biss kann, glaube ich, tödlich sein. Sie springt ihre Opfer an.

Zum Glück hatte ich eine illustrierte Zeitung neben der Luftmatratze. Während die Spinne mordlustig auf ihren acht borstigen Beinen vibrierte, drehte ich aus den Hochglanz-Seiten dieser Zeitung sorgsam einen etwa einen Meter langen Stab. Damit wollte ich die Spinne aus einem halbwegs sicheren Abstand derart berühren, dass sie aus dem Zelt flüchten würde.

Wie man als Mann eine so bedrohliche Situation kaltblütig meistert, sollte eigentlich auch die Frau erleben. Sie soll doch darauf vertrauen können, dass sie einen mutigen Beschützer hat.

Also rüttelte ich die Eli wach, leuchtete - die Zeitungsrolle griffbereit - mit der Taschenlampe auf die Haarige Witwe und flüsterte: "Hast du schon mal sowas von Spinne gesehen?


Die Eli richtete sich brummend auf, packte die Spinne mit beiden Händen, warf sie in weitem Schwung aus dem Zelt und sagte "Jetzt lass mich aber endlich schlafen !"

Erst war ich von meiner missglückten Superman-Vorstellung ein bisschen enttäuscht. Aber geheiratet habe ich die Eli dann doch. Vielleicht sogar deshalb.



Nach oben

F E R R A R I 

Frührer habe ich mir einen Ferrari Testarossa gewünscht. Und eine Privatinsel in der Südsee, einen Panther als Haustier, schwarze Haare, einen Rekord im Stangenklettern, Vierfrucht-Marmelade, Hummer zum Frühstück...

Jetzt könnte ich mir die Vierfrucht-Marmelade zwar leisten, aber die gibt es nicht mehr. Panther brauche ich nicht, ich hab schon eine Katze. Stangenklettern interessiert mich nicht mehr.

Ich fühl mich auch mit grauen Haaren wohl, Südseeinsseln sind ständig von Tsunamis und von der Steuerfahndung bedroht, Frühstückshummer ist ungesund.

Was ich mir jetzt wirklich wünsche , ist ein richtiger GLAUBE.

Ihr ahnt es: Ich versuche hier wiedermal, meine wachsende Verblödungl als Altersweisheit zu tarnen. Ist ja auch wahr. Aber wie kann man man dieser Verblödung denn entrinnen, wenn nicht durch einen GLAUBEN, einen unerschütterlichen bitte.

Adolf Hitler war mal ein niedliches Baby. Und wenn ein Flugzeug abstürzt, dann sind unter den Opfern nicht nur lauter böse Menschen. Auch ob das nächste Erdbeben in Liechtenstein oder in der Mongolei stattfimdet, das entscheidet - ich buchstabiere das jetzt mal - Golf Oskar Tango nochmals Tango.
An Kollateralschäden leistet er sich allerdings von Dachau bis Guantanamo recht viel.

Was soll ich also ich machen, um an den zu glauben?

Immerhin habe ich eine Auswahl wie im Supermarkt:

Der dicke mit den langgezogenen Ohren könnte mir gefallen. Auf Sri Lanka hat der die grössten Statuen. Oder auch der halbnackte Mann, dem sie Nägel durch die Hände und die Füsse geschlagen haben, der ist wenigstens Familienmitglied bei den Gotts. Dann ist da noch einer, der sich nicht fotografieren lässt. Der hat einen eigenen Propheten und kommt ohne Glockengebimmel aus.

Leute wie Ron Hubbert, Charles Manson und Uriella wissen das natürlich besser. Aber die sind mir zu teuer und auch nicht ganz geheuer.

Ich glaube, ich suche ihn - ach nein, das schreibt man ja " I h n "- erstmal in Mekka, in Lourdes und in Kataragama. Wenn's sein muss noch bei Ratzinger in Rom.

Dazu hätte ich nun aber doch gerne - hörst du mir überhaupt noch zu, lieber Gott? - einen FERRARI, Testarossa, versteht sich. Und bitte auch einen Engel als Beifahrer. Der darf auch ruhig ne Atheistin sein.



Nach oben

D O R T ,   W O   D U   N I C H T   B I S T . . . 

Im Flugzeug brauche ich einen Fensterplatz. Aber nicht über dem Flügel. Ich will nämlich durch dieses rundliche kleine Fenster - warum wird das eigentlich nie gründlich geputzt? - immerzu hinaus und besonders hinunter schauen. Eine Sucht ist das, und mit jedem Flug wird sie stärker.

Vernünftige Leute können beim Start eine Zeitung lesen, über dem Atlantik einschlafen und sogar aufs Klo gehen, während sich die Wolken über den Alpen oder über einer griechischen Insel für ein paar Sekunden lockern und eines von diesen Bildern freigeben nach denen ich so suche.

Dieser kleine helle Punkt im Meer - ist das ein Fischerkutter? Ein Kreuzfahrtschiff ? Eine Bohrplattform kann es doch nicht sein, nicht hier. Ach, da möchte ich jetzt gerne sein! Mit einem Glas Wein in der Hand den Delfinen zuschauen oder mich auf einer Luftmatratze von den Wellen wiegen lassen.

Und da, seht nur! Mitten in der Wüste ein helles Licht! Warte mal: Als es dunkel wurde, waren wir über Alexandria, also ist dieses helle Licht jetzt irgendwo im Sudan. Eigentlich schade, dass neben der obligaten Kotztüte in der Tasche der vorderen Rückenlehne nicht auch eine anatändige Landkarte steckt. Na, egal. Das kann ja nur eine Oase sein. Tizi Ukuluk? Ain Netafim? Hadura Tucacan? Bir al Bukuk? Wadi Eden? Jedenfalls müssen die da einen starken Generator haben.

Nicht, dass ich mir einen Flugzeugabsturz wünsche, aber am liebsten wäre ich jetzt gleich in dieser Oase. In der Morgendämmerung würde ich barfuss einen Spaziergang über die Sanddünen machen, würde dann bei der mandeläugigen Suleika (gibt es eigentlich auch nussäugige Suleikas?) ein Pfund Datteln kaufen und gegen Mittag würde ich meine Hängematte zwischen zwei Palmen hängen und in den Himmel schauen.

Was würde ich dann wohl sehen am Himmel? Erst einen silbrigen Punkt, dann den Kondensstreifen. Und während das Flugzeug verschwindet, würde ich noch das Pfeifen der Triebwerke hören.

Dann würde ich mir wohl wünschen - Suleika hin oder her - wieder da oben in dem silbrigen Punkt zu sitzen und durch das rundliche Fenster auf die kleine Oase aus zehntausend Metern Höhe nur ein paar Sekunden lang hinabzuschauen.

Wer war das eigentlich, der mal gesagt hat, das Glück sei immer da, wo du gerade nicht bist?



Nach oben

H E M I N G W A Y 

Ich bekam die Chance, für die Lokalzeitung fünfundvierzig Zeilen über die Jahresversammlung des Kaninchenzüchtervereins zu schreiben.
Das gelang mir so gut, dass ich mich entschied, Schriftsteller zu werden.

Na ja, nicht gerade wie Goethe, der an verfaulenden Äpfeln schnuppern musste um den Faust zu schreiben und der auch an meinen miserablen Deutsch-Noten nicht ganz unschuldig war.

Proust, Frisch, Musil, Kafka und Thomas Mann kamen sowieso nicht in Frage. Die Schriftstellerei soll ja nicht Arbeit, sondern Freude machen. Panait Istrati vielleicht, aber den kennt ja kein Schwein, und reich wurde er auch nicht, geschweige denn glücklich.

ALSO HEMINGWAY!

Da habe ich immer ein Glas Whisky in der Hand, schlendere in Kenia oder Florida über eine Terrasse mit Meerblick und diktiere meiner wunderschönen Sekretärin mit behaarter Brust - also dese Brust sollte ICH haben, nicht etwa die Sekretärin - diktiere ihr also Unsterbliches. Sowas zum Beispiel:

"Als er das Stechen links im Hodensack wieder verspürte, begriff Troy Donahue, dass dies der letzte Sonnenaufgang war, den er in seinem verpfuschten Leben zu sehen bekam und zündete sich eine Henry Clay an."

Zu denken gibt mir dabei allerdings diese wunderschöne Sekretärin. Pam heisst sie wohl. Wenn die emanzipiert ist, dann dreht sie sich jetzt zum Publikum und ruft "Opa Ernest will schon wieder zum Stierkampf, hat wohl noch jemand einen Rollstuhl für den Ochsen übrig?"

Ich diktiere jetzt mal ohne Sekretärin, sorry, Pam, you are fired:

"Schneid mir mal die Kugel aus dem Bauch, Puppe, wir haben noch einen weiten Ritt vor uns."

DAS IST ES! Hart, knapp, abgeklärt, viril. Hemingway hätte mich um diesen Satz beneidet.

Oder doch nicht? Er hat sich ja später in sein selbstgeschaffenes Trugbild vom literarischen Muskelprotz derart hineingesteigert, dass er sich mit 62 Jahren auf einer eingebildeten Löwenjagd aus lauter Angst vor sich selbst das Leben nahm. So geht's halt, wenn man sich in Marlene Dietrich verliebt.

Vielleicht bleibe ich doch besser beim Kaninchenzüchterverein. Aber nächstes Mal bitte sechzig Zeilen. Das ist wirklich spannend, was die da mit den Kaninchen machen.






Nach oben

D A S   R E Z E P T 

FERNSEHKOCH - ich glaube, das ist der Beruf, den ich bisher verfehlt habe! Höchste Zeit, dass ich da mal einsteige:



* Drei Kartoffeln kaufen. ("Bio" sollte draufstehen,
sonst sind die zu billig.)

* Zwei davon 25 Minuten lang weichkochen, mit einem Teelöffel aushöhlen und mit Kaviar füllen. (Vorsicht: Seit Vladimir Putin taugt der russische Kaviar nichts mehr, aber der von Ahmadinedjad geht noch, da wacht ja das CIA drüber.)

* Die ausgehöhlte Kartoffelmasse auf kleinem Feuer ein Begräbnisgeläute lang in 86ger Chateau d'Yquem sieden lassen. Dann abtropfen, in handwarmem Zustand mit fein geraspelten Perigord-Trüffeln abschmecken und je nach Glaubensrichtung zu kleinen Kreuzen oder Sternen formen. (Im Vatikan gibt es auch eine Hakenkreuz-Variante.)

* Die gefüllten Kartoffeln mit Alaska-Wildlachs-Scheiben (Bio, versteht sich) umwickeln und in 273 Grad heissem Walnussöl fritieren bis sie in Geruch und Farbe einer frisch gefüllten Babywindel gleichen.

* Die aus der ausgehöhlten Kartoffelmasse gewonnenen Sterne oder Kreuze in schwedische Rollmöpse pressen (aber bloss nicht die Gurke verletzen!) und alles mit normannischer Crème Fraiche übergiessen.(Geruchlich sollte das Gericht nun an das Erbrochene eines Fernsehkochs erinnern, der sein drittes Kochbuch mit einer Überdosis Cognac bei Kerner so lange ausgekotzt hat, bis sich sogar in Mümliswil drei Bildröhren und der Gemeindepräsident übergeben haben.)

* Die gefüllten Kartoffeln und die angereicherten Rollmöpse gut auskühlen lassen, in eine feuerfeste Schüssel mit frischen Himbeeren umfüllen und mit Vieille Prune flambieren. (Man kann auch noch eine geräucherte Makrele drüberlegen.)

* Wahlweise auf Bananenblättern oder in BMW-Radkappen (vorher stehlen) servieren.

DIE ÜBRIG GEBLIEBENE DRITTE KARTOFFEL WIRD FÜR HUMANITÄRE ZWECKE EINGESETZT.
Schickt sie bitte zusammen mit diesem Rezept nach Äthiopien oder nach Burkina Faso. Die brauchen da doch mal was Nachhaltiges.






Nach oben

T A L K S H O W 

Es gibt schon ein paar Statements, die ich gerne mal an einer Talkshow loswerden - nein, lieber "in den Raum stellen" möchte, damit sie da dann rumstehen wie die Stangen am Slalomhang.

Zum Beispiel, dass die Schweiz eine Königin aus Madagaskar braucht, dass man eine Strafsteuer für Nichtraucher und Abstinenten einführen sollte. dass man vom Walliser Dialekt eine schiefe Schnauze kriegt und dass Hundescheisse vor Denkmälern zum abendländischen Kulturerbe gehört.

Ja, diese Vorschläge sind noch nicht ganz ausgereift. Vielleicht nicht "nachhaltig" genug. Aber um sie jetzt spontan zu verbessern, müsste ich noch soviel saufen, dass ich damit den Altglascontainer überlaste.
Ist auch nicht so wichtig, denn um zu der Talkshow überhaupt eingeladen zu werden, sollte ich ja erstmal ein "PROMI" sein.
Wie wird man das wohl?

Frauen haben es leicht. Die können sich wie Dolly Buster ein paar Kilo Silikon implantieren lassen, und schon sitzen sie beim Wiener Opernball in der Ehrenloge. Oder sie adoptieren wie Madonna immer wieder mal ein Kindchen aus Indien oder Afrika. Bei Noemi Campbell genügt es schon, dass sie ins Flugzeug spuckt oder ein Dienstmädchen verprügelt.

Aber ich?
Gut, ich schreibe erstmal ein idiotisches Kinderbuch und spende den Erlös für die Verwurstung bissiger Eisbärenbabies. Dann schiebe ich noch zwei Kochbücher über Jakobsmuscheln und Morcheln nach, aber diesmal geht der Erlös - nein, nicht an den Dalai Lama, der hat schon genug. Ospel vielleicht, dem wurde doch der Bonus gekürzt. Oder der UEFA.

Ich fürchte nur, ich bin damit noch immer nicht ein richtiger "PROMI". Also wie weiter?
Es liegt mir zwar nicht recht, aber dem "Blick" zuliebe könnte ich ein paar Leute abmurxen, um mich als Serienkiller zu profilieren. Nein, besser fresse ich dieses Viagra, das mir im Internet ständig angeboten wird und trete dann bei "Wetten dass?" mit erigiertem Penis gegen Roger Federer an.

Ihr seht: Ich verzapfe hier pausenlos Blödsinn, und das allein sollte mir eigentlich schon reichen, endlich zum "PROMI" zu avancieren.
Aber ach! - Schon haben mich Ratzinger, Bush, Mörgeli und Paris Hilton rechts überholt.

Macht nichts. Die nächste Talkshow wird ja auch ohne mich doof genug.



Nach oben

A N G E B L I C H 

Vater unser, der du bist in dem Himmel...

Das ist wohl ein alter Mann mit weissem Bart und Birkenstock-Schlappen, der da zwischen oder über den Wolken sitzt und mit schützender Hand für Lottogewinne, Hinrichtungen und Multiple Sklerose zuständig ist.
Und das soll ich glauben?

Mutter unser, die du bist...
Klingt wenigstens frauenfreundlich, passt aber dem Papst nicht und kennt sich in der Formel Eins nicht aus.


Bei Heinrich Böll in "Dr. Murkes gesammeltes Schweigen" ist ein Ausweg vorgeschlagen: Das ominöse Wort "Gott" lässt sich durch "Jenes höhere Wesen, das wir verehren" ersetzen.

Na dann mal los mit dem Gebet:
Oh, du höheres Wesen, das wir verehren, mach doch endlich mal, dass keine Flugzeuge mehr runterfallen, dass die Ciba-Aktien steigen, dass die Katzen keine Mäuse mehr ermorden und dass Amerika eine bessere Regierung kriegt.

Kannst du damit was anfangen, Wesen?
Na dann mach doch bitte auch noch was gegen meinen Bierbauch und gegen meine Angst vor mir selbst.

Ach was, ich brauche ne ganze Menge höhere Wesen und Heilige, solche, die sich mitunter auch gegenseitig verhauen, ganz wie bei den ollen Griechen. Einen für die Lunge, einen fürs Auto, einen gegen die Steuerbehörde und noch ein paar für die Liebe und gegen die Warzen.
Götter unser, die ihr seid in dem Himmel...

Hindus und Katholiken haben das doch. Florian, Murugan, Krishna, Bernadette, Hubertus, Sebastian... Notfalls noch Ron Hubbert, Uriella oder wenigstens einen von diesen selbsternannten Kurzwellenaposteln, die sich selbst oder die von ihnen Erleuchteten ab und zu in ihren Sonnentempeln abmurxen.

Aber wie - um himmelswillen - soll ich denn von irgendwas zu irgendwas konvertieren, wo ich doch nichteinmal Mitglied beim TCS bin und nichteinmal an die Hölle glaube?

Vater unser, der Sie angeblich sind in dem Himmel; ich fürchte, zu Ihnen hab ich das Beten verlernt.

PS: Falls Sie wirklich für die Schöpfung zuständig sind, gratuliere ich Ihnen hiermit zur Katze. Aber den Pitbull könnten Sie noch etwas überarbeiten.
Mit vorzüglicher Hochachtung - pardon AMEN sollte ich jetzt wohl sagen.















Nach oben

I N T E G R A T I O N 

"Spiegelhof, Spiegelhof?", fragte er mich vor dem Stadtcasino am Barfüsserplatz.

("Spiegelhof" heisst in Basel ein Gebäude, in dem verschiedene Amtsstellen für polizeiliche und fremdenpolizeiliche Dienste untergebracht sind.)

Ich erklärte ihm den Weg: Der Tramlinie entlang bis zum Marktplatz. Dann aber nicht halbrechts zur Mittleren Brücke, sondern weiter - so wie das Tram fährt - an dem schönen Brunnen vorbei und noch knapp hundert Meter weiter. Da ist linkerhand der Spiegelhof.

Er schaute mich unentschlossen an und sagte:
"HAU AB!"

Was hat er denn gegen mich, dieser Mann aus Anatolien, der mich mit seiner Adlernase und seinem imposanten Schnurrbart irgendwie an einen römischen Cäsar erinnert?

Es dauerte eine Weile, bis ich begriff.
Er hatte schon gelernt, mit welchen Worten hier ein Gespräch mit ihm, dem Schwarzarbeiter auf der Baustelle, normalerweise beendet wird.

"HAU AB!" bedeutet "DANKE SEHR!"





Nach oben

V I E R F R U C H T 

Meine Wünsche haben sich alle erfüllt.
Vierfrucht-Konfitüre zum Beispiel, frühmorgens sparsam aufs Schwarzbrot geschmiert. Davon mal ein ganzes Glas auslöffeln, ohne Brot und ohne Angst.
Könnte ich jetzt machen.

Oder die Achterbahn.
Das Taschengeld reichte zwar für eine einzige Fahrt, aber es wäre so wichtig gewesen, nochmals, ja mehrmals zu fahren, um sich mit diesem Gefühl von Wagemut und Freiheit vollzutanken, ohne das man dem Lehrer und den Eltern hilflos ausgeliefert war.
Auch das könnte ich mir jetzt leisten.

Dann die Sehnsucht nach dem Fliegen!
Der René Rupp hatte Keuchhusten, und es hiess, er solle davon geheilt werden, indem er mit einem Flugzeug auf drei- oder viertausend Meter hinaufgeflogen würde.
Ich lief bei Regen barfuss im Nachthemd ums Haus und - das konnte ich damals noch - betete vor dem Einschlafen zu Gott, er möge mir endlich Keuchhusten schenken.
Jetzt fliege ich ab und zu sogar zehntausend Meter hoch. Und bisschen Raucherhusten hab ich auch.

Wohl der stärkste Wunsch - Karl May und Sophie Wörishöffer sind mitschuldig - war Reisen.
Von der Regensbergstrasse bis zum Hürstwald reichten die Rollschuhe. Aber was kommt hinter dem Hürstwald? - Rümlang. Und was kommt hinter Rümlang? - Deutschland. Und was kommt hinter Deutschland? - Skandinavien vielleicht. Und noch weiter weg das wilde Kurdistan, Texas, Haiti und Tahiti, Borneo, Belutschistan, Monte Carlo, Monte Christo und Monte Verità.

Da war ich inzwischen fast überall. Und wenn ich wirklich wollte, könnte ich auch noch einen Flug nach Madagaskar buchen.

Alle meine Wünsche haben sich erfüllt.
Nur nicht zur rechten Zeit.





































Nach oben

S O U V E N I R 

Sag, wann hast du eigentlich zum letzten Mal dieses Kitzeln im Bauch gespürt, das dich überfällt, wenn der Lift schnell runterfährt?

Und wenn über Nacht Schnee gefallen ist, und deine Fusspur ist die erste (natürlich nicht, weil du so früh aufstehst, sondern weil du so spät ins Bett gehst) - erinnerst du dich dann noch ein wenig an die Melodie, die deine Mutter für dich gesungen hat, als du auf der Schaukel sasst? Ja, da wo jetzt die Autobahnausfahrt ist, da war vor vielen Jahren mal ein Spielplatz.

Und wenn du im Wald Pilze riechst - ganz besondere Pilze sind das - fällt dir dann nicht wenigstens für einen Augenblick wieder ein, wie schön deine Welt noch aussah, ehe sie von Kindergärtnerinnen, Pfarrern und Oberlehrern zertrampelt wurde?

Ich verstehe schon, dass ihr euch davor fürchtet, nach dem dritten Hirnschlag sabbernd im Rollstuhl zu sitzen. (Und damit euch dann überhaupt noch jemand den Po putzt, verkaufen der Vormund und die Bank händereibend das Reihenhäuschen, für das ihr so lange gespart habt)

Aber könnte es nicht auch sein, dass ihr erst nach dem dritten Infarkt wieder dieses wunderbare Kitzeln im Lift spüren werdet?
Dass euch erst dann wieder die vergessene Melodie einfällt, wenn ein Schlaganfall aus eurem Hirn die Viren entfernt hat, mit denen euch die Kindergärtnerinnen, Pfarrer und Oberlehrer krank gemacht haben?

Und das Essen im Spital, im Altersheim, im Hospiz - es duftet plötzlich nach den geheimnisvollen Pilzen. Ihr braucht nur ein bisschen daran zu schnuppern, und schon fühlt ihr die Umarmung einer gütigen vorchristlichen Göttin. (Die wohnt schon lange nicht mehr im Gehirn; sie hat sich in einem Blutkörperchen versteckt.)

Was ich sagen wollte: Die Leute, die dir Lebenshilfe leisten, kannst du wohl zum Teufel schicken. Aber wenn sie dann auch noch mit Sterbehilfe kommen, dann möge sie der Teufel gleich selbst abholen.

PS: Nur schade, dass ich mir über das alles sicher nie ganz sicher bin.



Nach oben

A N P A S S U N G 

Ich beneide euch.
Ihr könnt euch immer so benehmen, wie es sich gehört.

Zum Jahreswechsel besauft ihr euch,
Zum Karneval schunkelt ihr,
Zum Eins-zu-Null brüllt ihr "Toooor!"

Und dem gleichen Kerl, dem ihr den Vogel zeigt,
wenn ihr in eurem Auto sitzt,
dem sagt ihr auf dem Wanderweg "Grüssgott",


Manchmal möchte ich auch so sein:
Bei Beerdigungen nicht mehr grinsen.
Bei Comedy-Shows nicht mehr heulen.
Und "Tooor" schreien beim Eins-zu Null.

Aber immer, wenn ich das versuche,
dann kriege ich so Angst vor mir.

Und möchte doch nicht ganz so sein wie ihr.











Nach oben

A B R I E B 

Da hat also einer paar Leute abgemurxt und noch zehn Millionen unterschlagen. Dann ist er unter falschem Namen abgehauen und hat ein paar Jahre lang lang herrlich gelebt. Den Taj Mahal gesehen, den Eiffelturm, die Niagara-Fälle, alle Viecher auf den Galapagos... Und war natürlich mit den schönsten Frauen, Männern und Krokodilen im Bett.

Schliesslich haben sie ihn aber doch gefasst (er hatte seinen Lamborghini falsch parkiert), und da kam alles raus. Zwölf Jahre Zuchthaus hat er gekriegt.

Und jetzt, wo er seine Strafe fast abgesessen hat (inzwischen graubärtig und mit Krücken) jetzt will er das Zuchthaus nicht verlassen.

Ich hab ihn gefragt warum. Und so hat er gesagt:
In meiner Zelle - da links unter dem Gitterfenster - da ist ein sogenannter Abrieb. Abrieb entsteht, wenn der Maurer oder der Gipser mit seiner Kelle über den Mörtel streicht. Viele winzige Sandkörnchen hinterlassen dann ein Muster von Spuren, welches ich nun elf Jahre lang aufmerksam betrachtet aber immer noch nicht ganz entschlüsselt habe. Dabei ist alles, was die Welt, die Götter, die Physik und der Baedecker zu bieten haben in diesem Abrieb-Muster enthalten. Man muss es nur lange genug betrachten.

Auf dem Klo habe ich auch son Abrieb. Jetzt klebe ich ne Blümchentapete drüber.






Nach oben

P R O J E K T   T E X A S 

Ihr nehmt es mir hoffentlich nicht übel, dass ich mich als namhafrer (es gibt ja auch die anonymen) Alkoholiker hier, wo sich ohnehin kaum mehr einer meiner vereinzelten Leser hinwagt - dass ich mich hier also mal mit meinem - wie nennt man das eigentlich?
Pimmel, Penis, Schwanz, Roubinet, Ziesemann? "Zeugs", heisst es in Liestal.
Na, ist ja auch wurst. (Fügt doch bitte das Wort "befasse" hier noch irgendwo rein.)
Jedenfalls ist meine Mail-Box, auf der ich viel lieber Eure Kommentare lesen würde, dauernd von Reklamen für Penis-Enlargment und Viagra-Angeboten überflutet, wie übrigens auch die Mail-Boxes all meiner Bekantinnen (ha, jetzt bin ich aber frauenfreundlich!), die ja nun gottseidank gar keinen Pimmel haben.
Bis jetzt habe ich das noch nie bestellt, auch wenn ich mir, nach einer kalten Douche zumal, ein ansehnlicheres Gemächt vorstellen könnte. (Naja, und dann wieder mit der permanenten Erektion zum Elternabend - ich weiss nicht recht.)
Nun aber endlich zur Sache:
Was würdet Ihr davon halten, wenn ich jetzt die ganzen Schwanzverstärker reinfresse (oder muss man die einreiben?), die mir übers Internet ständig (!) angeboten werden, mich dann in westlicher Richtung auf den Balkon stelle und in gewaltigem Strahl bis nach Texas und New-Mexico brunze, wo diese Penis-Enlargment-Angebote ja wohl alle herkommen? (Die könnten dann da dank der Niederschläge Bananen mit Whisky-Flavour ernten und Nicaragua fortan in Ruhe lassen.)

Ach, immer wenn ich einen Beitrag zur Rettung des Weltklimas leisten will, geht irgendwas schief. Mein Nachbar links (einen Swimming-Pool hat der) regt sich schon über die Versuchsphase auf.
Muss wohl nochmal drüber schlafen.



Nach oben

P E R F E K T E R   T A G 

Wurst, was du machst, du bist immer ein bisschen zu jung oder zu alt dazu. Und dann ist das Wetter auch noch zu heiss oder zu kalt und du hast gerade die falschen Schuhe an, hast zuviel oder zu wenig nachgedacht, zuviel Pfeffer genommen, zuviel Zeit verschwendet, nicht genug Geld gespart...
Wann kommt denn endlich mal der Tag, an dem du genau im richtigen Alter, bei der genau richtigen Temperatur genau soviel wie nötig nachdenkst und genau soviel Pfeffer streust, wie das für eine rechte Spaghettisauce angemessen wäre?
Ich hab' die Hoffnung auf diesen einzigen perfekten Tag im Leben noch nicht aufgegeben. Und wenn er endlich kommt - ihr werdet staunen - setz ich mich aufs Velo ("Fahrrad" nennt ihr das in Deutschland) und gewinne bei der Tour de France eine Bergetappe.
Na, und dann?
Also dann mache ich wieder ne Pulle Schnaps und ein Päckchen Zigaretten auf. Sollen doch die Anderen auch noch eine Chance zum Etappensieg haben!



Nach oben

L E T Z T E R   S C H L U C K 

Die Schnapsflasche scheint leer, aber wenn man sie schräg auf den Tisch legt (ein Aschenbecher oder ein Zigarettenpäckchen können dabei helfen), dann sammeln sich nach fünf Minuten nahe vom Flaschenhals ein paar Tropfen. Das ist der letzte Schluck aus der Pulle.
Und erst, wenn ich den trinke, fällt irgendwo auf der Welt wieder Schnee auf die Friedhöfe , und in dreitausend Metern Tiefe pflanzt sich dieser riesige Tintenfisch fort, dessen Nachkommen mal die Welt regieren werden.
Mit Mineralwasser habe ich es auch schon versucht, aber dann verteuerte sich immer nur das Heizöl oder es entstand ein neues Virus.
Versteht ihr jetzt endlich, warum ich nicht Abstinent werden mag?



Nach oben

M U T T E R L A N D - P R O J E K T 

Ja, ja, dieser Seite fehlt es bis jetzt noch völlig an Nachhaltigkeit und visionärer Globalisierung; sie ist, so leid mir das tut, kaum gehaltvoller als die Neujahrsansprache des Bundespräsidenten, und dazu gehört schon was.
Aber das wollen wir jetzt ändern.

Also, wenn mehr als 50% meiner drei treuen Leser einverstanden sind, dann machen wir das so:

Erstens: Die Eidgenossenschaft wird (nachdem Spule glanzvoll zum Bundesrat gewählt worden ist) in ein Königreich unter dem Namen TMO (Territoire Malgache d'Outremer) umgewandelt, womit sie sich dem drohenden EU-Beitritt entzieht. (Ach seht mal! Jetzt applaudiert mir sogar die SVP!)

Zweitens: Als Königin dieser madegassischen Überseeprovinz amtiert fortan eine rabenschwarze Fischverkäuferin aus Mahajunga, der ausser Christoph Blocher jeder ehemalige Eidgenosse als Berater zur Seite stehen darf, solange er sich auf Malagassy wenigstens so gut ausdrücken kann wie Samuel Schmid auf englisch. (Lauft mir doch nicht gleich weg, liebe SVP-Leute, lest weiter!)

Also Drittens: Um den Schulunterricht (Malagasy wird Pflichtsprache, dann könnte man sogar den "Blick" wieder lesen) zu verbessern, wird die Königin die bestehenden Asylantenheime in sogenannte Sprachinseln umwandeln. Oberwalliserdialekt wäre dann beispielsweise nur noch im Bässlergut bei Basel erlaubt, womit Basel als Wirtschaftsstandort ganz wesentlich von der Kaufkraft von zwei Dutzend unverbesserlichen Fernsehjournalisten profitieren würde.

Viertens: Naja, da haben wir noch ein kleines Problem. Die rabenschwarze Fischverkäuferin aus Mahajunga, die ich bereits mit dem Versprechen auf eine erneute Umgestaltung des Bundesplatzes (Swimming Pool with Crocodiles!) angelockt habe, zögert noch ein bisschen, seitdem sie sich im Schweizer Fernsehen "Deal or no Deal" angesehen hat.

Aber ein Ass hab ich ja noch im Ärmel: Wenn sie so bockig bleibt, dann sage ich ihr einfach, dass auch der Fürst von Liechtenstein noch Interesse an dem Job hätte.
Braucht ja alles nicht zu stimmen. Was Dschordsch Dabbeljuh sagt, stimmt auch nicht.




 


Nach oben

N O I E   R E C H T S C H R A I B U N G 

ich waiss zwah schon, wie man Rütmuss schraibt, aber fillaicht kann mir ja ainä oda aina dabai helfen, Doitsch noiardings noch bessa als der Duden zu schraiben. Di Kinda haben nemlich ganz recht, wenn si sahgen,, dass es beim Meckdoneld kaine Schpagetti giebt. Da giebt es nur Hämbörgers. Und kainen Papagai der Gaige schpihlt.

Razionalisihren sollte wia wol auch. Ein Baum, zum Baispiel, hat S.T. und 2G. Der Hailige Fata schickt G.B.T. (wohin auch imma). Und meine K.C. will schon wida fressN. Ich geb ihr jez aba nur Milch von der Q.

Mit Schreck N. ent D. ke ich, dass auch manche Neonazis son Noidoitsch schraiben. Mit denen habe ich aber gar nichts zu (Kleinstadt im Kanton Bern).



Nach oben

U N   ( B E )   G R E I F L I C H 

Manchmal überfällt es dich grundlos, fliegt dir zu für einen Augenblick.
Wenn du es aber ganz dringend brauchst, dann verlässt es dich.
Und wenn du meinst, du hättest es ganz verloren, dann sieht es dich plötzlich wieder aus braunen oder blauen Augen oder auch aus einem Schnapsglas an.
Was ist das eigentlich, das Glück?



 


Nach oben

G E S I C H T E R G E S C H I C H T E 

Kuckt euch mal ein Baby an, und ihr werdet in diesem kleinen Gesicht die Züge dieses Greises oder dieser Greisin entdecken, zu dem oder der das Baby achzig Jahre später wird.
Und dann geht ins Altersheim oder nach Berlin und kuckt euch da die Greise an. In jedem Gesicht ist wieder etwas von dem Baby, das sie mal waren.

So. Und jetzt seht ihr euch bitte mal jemanden an, der zwar kein Baby mehr aber auch noch kein Greis ist. Es muss ja nicht gleich Heidi Klum oder Dieter Bohlen sein, ihr könnt es auch mit Nachbarn oder mit euch selbst versuchen.

Ha, jetzt macht ihr aber ein langes Gesicht!



Nach oben

P A T R I O T I S C H E   R E G U N G 

Schimpft mir bloss nicht über die Schweiz! Je weiter man von ihr weg ist, umso eher kann man sie lieben.
Und jetzt versucht das mal mit dem Amerika von Dschordsch Dabbeljuh.
Na bitte!



Nach oben

G E S C H Ö P F E 

Ich wünschte mir, ich wäre so ein bissiger Koala- oder Pandabär jedenfalls vom Aussterben bedroht. Ach, was würden sich dann die Leute vom WWF überschlagen, nur um mich mit Bambusblättern, Streicheleinheiten und Spendepaketen zu überschütten.

Aber ich bin nun mal nur ein kleiner Virus. Vielleicht studiere ich mal Vogelgrippe oder Aids - mutieren kann ich schon ganz gut - oder ich rotte alle Pandabären und Politiker aus.

Das Problem ist nur: Auf mich, der ich doch auch ein Geschöpf Gottes (und Allahs, nicht zu vergessen) bin - auf mich geht ihr gnadenlos mit chemischen Ausrottungsprogrammen los.
Kaum zerfresse ich auch nur ein paar armselige Lebern, Lungen oder Gehirne (sogar gegen Alzheimer seid ihr), dann ermordet ihr immer gleich Milliarden von meinen Kollegen.

Wo bleibt denn da der Respekt vor der Schöpfung?

NACHBEMERKUNG VON SPULE:
Du musst einfach weiter mutieren, bis du endlich so ein blöder Koala-Bär geworden bist. Aber mir kommst du auch dann nicht ins Bett.



Nach oben

P E U R   D E   M O I 

Jetzt ist sie mir wieder eingefallen: La fille de Londres!

Je voudrais je voudrais je n' sais trop quoi
Je voudrais ne plus entendre ma voix
J' ai peur de toi j' ai peur de moi.

Germaine Montero und Catherine Sauvage haben das gesungen, der Text ist von Pierre Mac Orlan.



Nach oben

F E I N S C H M E C K E R 

Weiss nicht, warum sie mich überhaupt eingeladen haben und warum ich hingegangen
bin.

Erst standen jedenfalls alle im Foyer rum, in der einen Hand einen Käsekuchen und in der anderen ein Glas mit dieser widerlichen Prestigebrause, die sie Sekt oder Champagner nennen. (Es war in Wirklichkeit noch grausiger: Prosecco!)

Dann erscholl ein Glöckchen, es wurde eine Türe geöffnet, und alle strömten in den Speisesaal, manche noch mit dem Käsekuchen in der Schnauze und dem Brauseglas in der Hand.
Da standen militärisch ausgerichtete Tische mit Kerzen, Blumenschmuck und Tischkärtchen.

Bis jeder seinen Platz gefunden hatte - ach ja, ich sollte wohl noch sagen, dass es sich hier um das "Diner Culinaire" handelt - vergingen ungefähr fünfzehn Minuten, die ein wenig an "American Football" erinnerten. Und dann dauerte es nochmal zwei Minuten, bis eine dicke Elsässerin den Mut fand, sich endlich hinzusetzen. (Das machten wir ihr dann alle zögernd nach.)

Aber dann!
Also erst klopfte ganz vorne einer mit der Gabel an sein Weinglas und begrüsste weiss der Kuckuck was für Präsidenten und Regierungsräte, ehe er das Wort irgendeinem Ehrenpräsidenten übergab (übergeben hätte ich mich ja auch, aber der Käsekuchen reichte nicht), der dann seinerseits, während die Serviertöchter schon mit der erkaltenden Vorspeise in den Startlöchern standen, zu einem historischen Rückblick ansetzte, ohne welchen seine weiteren Beiträge zur aktuellen politischen Lage wohl noch unverständlicher gewesen wären.

So, Spule, jetzt fass dich aber kurz: Wie war denn das Essen?

Also, was ich nach anderthalb Stunden Wartezeit bekommen habe, hiess "Amuse Bouche", sah aber aus wie gepresste Pudelkacke und schmeckte nach Sägemehl. Im Abgang allerdings eher nach verfaulter Laboratoriumsratte mit leichtem Formalin-Aroma.

Warum, du vertrottelte Spule, gehst du denn bei solchen Anlässen nicht einfach weg?

Genau das habe ich ja gemacht!

Und dann?

Na, dann habe ich mir zuhause einen verdateten Rollmops und einen Schachtelkäse vom Aldi aus dem Kühlschrank geholt. Und das war dann wirklich ein "Diner Culinaire".





Nach oben

E N G A G E M E N T 

Wir sind ein weltoffenes Land: Das Jodeldoppelquartett Gerlafingen verleiht seinem Bedauern über die zivilen Opfer auf Sri Lanka Ausdruck, und der Polizeimännerchor Frauenfeld verurteilt den Krieg im Nahen Osten in aller Schärfe. (Womöglich zieht sogar der Bundesrat noch nach, dann wird die Welt aber vor uns zittern.) Wir bürgern sogar Ausländer ein, vorausgesetzt, sie können gut Fussball spielen oder sie haben bei der UBS ein dickes Konto.

Und friedlich sind wir auch: Unsere alte Munition schmeissen wir umweltbewusst in den Thunersee und mit unseren alten Panzern versuchen wir, den armen Leuten im Irak zu helfen.
So gesehen liegt es doch auf der Hand, dass wir jetzt von DSCHORDSCH DABBELJUH - dem Hüter von Freiheit und Demokratie - neue Munition und neue Panzer brauchen. Könnte ja sein, dass uns der Fürst von Liechtenstein bedroht. Überlegt euch das mal, bevor ihr euch wieder über die Steuerrechnung beklagt.



Nach oben

Z A H N A R Z T - P H O B I E 


Da ich heute zum Zahnarzt muss, erfasst mich ein sonst eher seltenes Gefühl von Gottesfürchtigkeit und Milde.
Deshalb erkläre ich hiermit mein privates Urteil "LECKT MICH DOCH!" über die Steuerbehörde für nichtig und ersetze es nach Paragraph Kaktus bedingt durch "RUTSCH MIR DEN PUCKEL RUNTER!"

Hm. Hab immer noch Angst vor dem Zahnarzt. Soll ich etwa auch noch sagen, Dschordsch Dabbeljuh habe den Irak befreit und Otto sei der grösste Deutsche Humorist aller Zeiten?

Ach was! Ich sag meinem Zahnarzt ab.



Nach oben

E R B O T E N   U N D   V E R L A U B T 



Betteln darfst du nicht, ein Minarett darfst du nicht bauen, in der Kneipe darfst du nicht mehr rauchen. Und wehe, wenn du als Strassenmusikant nicht um den Segen der polizeilichen Musikkritiker nachsuchst, ehe du vor der Migros an der Geige kratzt. Jetzt wollen sie uns sogar noch das Radfahren ohne Helm verbieten.

Falls euch das stört - ich habe Ausweichvorschläge:
Als "Hilfswerk" dürft ihr die Briefkästen ruhig mit Bettelbriefen vollstopfen; als Architekt könnt ihr ganze Städte versauen, und ihr kriegt sogar noch einen Preis dafür; als Pfarrer oder Schütze könnt ihr mit Kirchenglocken und Gewehren Krach machen, soviel ihr nur wollt.

Aber Radfahren ohne Helm? - Ich brauche mich doch bloss unter die Fussball-Fans zu mischen, wenn mir der Sinn nach einer Schädelverletzung steht.



Nach oben

T P F L H E I E P R 

Jztet wreedt Ihr gcileh mreekn, dsas Ihr mniee Txete saogr vloelr Durfkcleher ncoh vhesetern knönt.

Ist das nicht eigenartig: Der erste und der letzte Buchstabe eines Wortes muss stimmen. Was dazwischen steht, lässt sich beliebig verdrehen, und doch bleibt das Wort verständlich.

So ist das wohl auch im Journalismus. Wenn ich ganz am Anfang und ganz am Ende etwas halbwegs Vernünftiges schreibe, dann kann ich dazwischen unwidersprochen tonnenweise Mist verzapfen.

(Hrer Becholr wsies das acuh.)



Nach oben

A L T E R N A T I V E 

Nehmen wir mal an, du hörst jetzt endlich auf zu saufen und zu rauchen. Und zu essen gibt es für dich fortan nur noch biologisch-dynamischen Wurzelschleim mit Fair-Trade-Sigel und handgestrickten Ballaststoffen. Dazu Mineralwasser, aber bitte kohlensäurefrei aus Island.

SO!

Und jetzt brauchst du noch einen Home-Trainer, einen Guru und eine chinesisch diplomierte Suse, die dir jeden Dienstag für 22 Euro pro halbe Stunde die Reflexzonen quetscht, die Ohrläppchen akupunktiert und die Aschenbecher versteckt.

Für die nächsten zwanzig Jahre solltest du damit eigentlich topfit sein. Musst nur noch bisschen joggen, aber bitte ohne gleich ins nächste Parkverbotsschild zu rennen.



Nun kommt es aber auch noch darauf an, ob du in Reinach oder in Birsfelden wohnst.

IN REINACH ÜBERFÄHRT DICH NÄMLICH MORGEN DER ELFER. UND IN BIRSFELDEN DER DREIER.


















Nach oben

A B F A L L 

Jetzt hat Knüsel, der aus dem dritten Stock,schon eine Glatze. Der Kerl ist wirklich alt geworden.
Ich aber habe eine Denkerstirn.
Seht Ihr den Unterschied?

Hier noch ein Ausschnitt aus meinem Western-Roman: "Schneid mir mal die Kugel aus dem Bauch, Junge. Wir haben noch einen weiten Ritt vor uns."

Und aus meiner esotherischen Heilpraxis:
"Spule, kann man mit Durchfall baden?" - "Na klar, wenn Sie die Wanne voll kriegen."

Im Spital erwacht einer aus der Narkose, und die Ärzte erklären ihm: Für Sie haben wir eine gute und eine schlechte Nachricht. Zuerst vielleicht die schlechte. Sie hatten einen schweren Autounfall, sodass wir Ihnen leider beide Beine amputieren mussten.
Jetzt aber die gute: Im Nebenzimmer liegt einer, der interessiert sich für Ihre Schuhe.




Nach oben

Ü B E R M O R G E N 

Jetzt dauert es nur noch zwei Tage, bis das, was man "morgen" nennt zu "gestern" wird. Und morgen? Morgen wird sogar heute gestern sein!
Na, wenigstens habe ich die zwei Tage noch.



Nach oben